am selben Code orientierter Operationen reproduzieren — und nirgendwo sonst innerhalb oder außerhalb der Gesellschaft kann sich eine wissenschaftliche Kommunikation ereignen. Weitere Teilsysteme sind das politische System, das Wirtschaftssystem, das Erziehungssystem, das Rechtssystem, die Familien, die Religion, das Medizinsystem und das Kunstsystem.

Kunstsystem

Die Operationen des Kunstsystems sind an Kunstwerken orientierte Beobachtungen. Die Kommunikation der Kunst bedarf eigens für sie hergestellter Objekte. Während die gängigen Objekte einfach als das, was sie sind, beobachtet werden (können), werden die als Kunstwerke beobachteten Objekte als artifizielle Objekte wahrgenommen, die von jemandem hergestellt worden sind und mit Bezug auf die Beobachtungen dessen, der sie hergestellt hat, beobachtet werden müssen. Sowohl der Betrachter als auch der Künstler realisiert Beobachtungen zweiter Ordnung. Der Künstler muss das herzustellende Kunstwerk hinsichtlich der Art und Weise beobachten, wie andere es beobachten werden; er muss versuchen, durch das Kunstwerk die Erwartungen der Betrachter zu führen und sie zu überraschen. Der Betrachter muss seinerseits die Unterscheidungsstruktur des Kunstwerks entziffern und erkennen, daß sie hergestellt worden sind, um Beobachtungen zu binden, Durch die im Kunstwerk beinhalteten Weisungen schließt sich der Betrachter an Beobachtungen anderer an.

Die Funktion der Kunst ist es, der Welt eine Möglichkeit anzubieten, sich selbst von ausgeschlossenen Möglichkeiten her zu beobachten. Jede Unterscheidung innerhalb der Welt schafft bestimmte Möglichkeiten und schließt andere Möglichkeiten aus, die der Sicht entzogen werden und unzugänglich bleiben. Das Kunstwerk stellt eine eigene Realität fest, die sich von der gängigen Realität unterscheidet; es realisiert also eine Verdopplung des Realen in eine reale und eine imaginäre Realität. Die Kunst zeigt, wie in diesem fiktionalen Bereich - in diesem Bereich von Möglichkeiten, die sich nicht verwirklicht haben - eine Ordnung gefunden werden kann; von einem arbiträren Anfang ausgehend, erzeugt die einfache Sequenz der sich gegenseitig limitierenden Operationen eine Ordnung, die dann als notwendig erscheint. Der realen Realität wird ein Bereich von alternativen Möglichkeiten gegenübergestellt, in dem eine ande­re, gleichwohl nicht arbiträre Ordnung gilt. Mit anderen Worten: die Funktion der Kunst ist es, der Welt eine Möglichkeit anzubieten, sich selbst zu beobachten - die Welt in der Welt erscheinen zu lassen. Man kann dann von "Weltkunst" in Gegenüberstellung zur "Objektkunst" sprechen. Darin liegt auch die spezifische Paradoxie der Kunst, die sie schafft und zugleich auflöst: die Paradoxie der Beobachtbarkeit des Unbeobachtbaren (oder der Notwendigkeit dessen, was nur möglich ist).

Die Kunst differenziert sich als autonomes Funktionssystem aus, wenn die externen Referenzen blockiert werden; man kann nicht auf die Nützlichkeit oder andere situationsgebundene Faktoren rekurrieren, um die Entstehung des unwahrscheinlichen Objektes zu erklären, das als Kunstwerk bezeichnet wird. In der Moderne sieht man den Zweck der Kunst nicht mehr in der Nachahmung der Natur oder in sonstigen Verweisungen auf etwas, das der Kunst selbst extern ist. Mit Formeln wie "L‘art pour l‘art" (Selbstzweck) wird die Autonomie eines auf das Experimentieren mit Formenkombinationen spezialisierten Systems ausgedrückt, das sich auf nichts bezieht, sondern nur über den einfachen Akt des Unterscheidens verfügt.

In das Kunstsystem fallen alle Kommunikationen, die sich am Code passt/passt-nicht orientieren - also die Operationen, in denen die Frage gestellt wird, ob eine gewisse Form an die Formen­kombination innerhalb eines Kunstwerkes angepasst ist oder nicht. Wenn in der Moderne von den Kunstwerken Neuigkeit und nicht mehr bloß korrekte Anwendung bestimmter Regeln verlangt wird, braucht man spezifische Programme, die für jede Unterscheidung festzustellen ermöglichen, ob sie passt oder nicht. Für den Fall der Kunst kann man von Selbstprogrammierung sprechen; jedes Kunstwerk programmiert sich selbst in dem Sinne, daß die Notwendigkeit der von dieser Programmierung erzeugten Ordnung das Ergebnis der Entscheidungen ist, die im Kunstwerk selbst getroffen werden. Die vom Kunstwerk in der